Hände weg von der Witwenrente!

Vergangene Woche hatte die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) gefordert, die Hinterbliebenenrente nur noch an Angehörige auszuzahlen, die nicht für sich selbst sorgen könnten. So sei es unverständlich, dass sie derzeit auch 45-jährige Angehörige erhalten, die ihr Einkommen ebenso gut durch Arbeit erwirtschaften könnten.

Entgangen sein muss dem Geschäftsführungsmitglied des BDA, Herrn Alexander Gunkel, die Tatsache, dass laut Statistischem Bundesamt hierzulande Frauen durchschnittlich 23 % weniger als ihre männlichen Kollegen verdienen. Diese Lohn-Ungleichheit bedeutet auch eine geringere Rente für Frauen und muss deshalb auch als eine der Hauptursachen für die ständig steigende Altersarmut bei Frauen angesehen werden. Deshalb stimme ich den Sozialverbänden in ihrer an diesem Vorschlag geäußerten Kritik uneingeschränkt zu: Wer die Witwenrente kürzt, verschärft die Gefahr der Altersarmut, vor allem bei Frauen!

Stattdessen sollten Arbeitgeber erst einmal für Rahmenbedingungen sorgen, die die Vereinbarkeit von Beruf und Familie fördern, und auch dazu breit sein, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einzustellen. Auswertungen verschiedener Statistiken weisen seit Jahren gerade auf dieses Defizit und die mangelende Bereitschaft vieler Arbeitgeber hin, diesen Umstand tatsächlich ändern zu wollen.

Politik und Tarifpartner sind gleichermaßen aufgefordert, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen und es nicht nur bei Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden zu belassen – und schon gar nicht vollmundig zu fordern, Hinterbliebenenrenten nur noch an Angehörige auszuzahlen, die nicht für sich selbst sorgen könnten, ohne das eigentliche Problem des Beschäftigungswillen "über 45" an der eigenen Wurzel im Haus des Arbeitgeberverbandes zu lösen!

Studie stellt Sinn von Babyklappen in Frage

„Die Welt“ berichtet in ihrer Sonnabendausgabe über eine vom Bundesfamilienministerium in Auftrag gegebene Studie zur anonymen „Kindesabgabe“, deren Ergebnis den Sinn von Babyklappen und anonymer Geburt grundsätzlich in Frage stellt, da Mütter in höchster Not kaum erreicht und Babyklappen auch dazu missbraucht werden würden, um tote oder behinderte Kinder loszuwerden.
 
Die Welt: "Babyklappen verhindern Kindestötungen nur selten"

Weiter heißt es, Kinder, die anonym abgegeben werden, blieben ihr Leben lang in Unkenntnis über ihre Herkunft; und die betroffenen Mütter selbst würden mit dem Schmerz über die Abwendung vom Kind alleingelassen.

Liebe Leser, zweifelsohne kann die Frage „Woher komme ich?" am Anfang des Lebens zu einem lebenslangen Trauma werden. Ich bin aber der Meinung, dass das Recht auf Leben vor dem Recht auf Identität stehen sollte. Jedes einzelne Leben, das durch eine Babyklappe oder eine anonyme Geburt gerettet werden kann, rechtfertigt diese Angebote für Mütter in Not und Konfliktsituationen. Ich bin überzeugt, dass dieser Schritt keiner Frau leicht fällt.

Die Zahlen beweisen, dass anonyme Babyklappen oder Babykörbe, wie sie auch genannt werden, Leben retten – oft der letzte Ausweg, bevor Neugeborene unversorgt ausgesetzt werden. Gleiches gilt für das Angebot der anonymen Geburt, die betroffenen Müttern einen geschützten und sicheren Rahmen für die Entbindung bieten. Und damit sind diese Einrichtungen ein wichtiges Element im Rahmen eines großen Netzwerks von Hilfsangeboten, die Frauen zur Verfügung stehen und schon so mancher verzweifelten Mutter aus ihrer Notlage geholfen haben.

Worin ich mit dem Deutschen Ethikrat, der sich klar gegen Babyklappen ausspricht, und allen anderen Kritikern übereinstimme, ist die Empfehlung, dass das Hilfsangebot für Schwangere und Mütter in Not und Konfliktsituationen schnellstmöglich verstärkt werden und ausgewählte Beratungs- und Hilfsangebote rund um die Uhr angeboten werden müssen. Damit einhergehend müssten allerdings auch gezielte Aktionen gestartet werden, mit denen das Vertrauen in diese Angebote verbessert wird. Der Ruf nach mehr und besseren Hilfsangeboten ist durch diese Studie ebenfalls mehr als belegt.

Es gibt - moralisch und ethisch gesehen – keinen Grund, warum es nach Veröffentlichung dieser Studie zur Schließung von Babyklappen kommen sollte. Im Prinzip haben doch Befürworter und Gegner von Babyklappen und anonymer Geburt das gleiche Ziel: nämlich Kinder zu schützen, bevor es zu einem Unglück kommt!

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